03/16 Angst vs. Willenskraft 1

Das Nieren Qi - wie läßt es sich beeinflussen und stärken?  Eine These zur Korrektur der vorgeburtlichen Nieren-Energie und der Transformation von Angst in Willenskraft.


Manchmal beschreibt der Monatstipp festgelegte Gesetzmäßigkeiten. Manchmal enthält er einen Tipp für ihr Wohlbefinden und manchmal formuliert er eine These. Eine These, welche einfach aus der Praxiserfahrung entsteht, langsam Gestalt in den Gedanken annimmt und dann mutig nach außen gebracht wird. Sie soll nichts Bestehendes verwerfen, sondern formulierte Gesetzmäßigkeiten ergänzen und damit evtl. mehr und neue Wege öffnen.

Dies hier ist eine solche These:-).
 

In meiner Ausbildung vor etwa 10 Jahren wurde mir beigebracht, das die Nieren Energie, genannt Nieren Qi, sich aus zwei Komponenten zusammensetzt. Dem nachgeburtlichen Qi,  entstehend aus Essen und Atmung, und dem vorgeburtlichen Qi, welches von unseren Eltern kommt. Dieses vorgeburtliche Qi bildet die erste Energiequelle und es wird, laut meiner Ausbildung, nur einmal von den Eltern auf das Kind übertragen, bei der Zeugung. Es wird gesagt, dass wenn die Eltern ein schwaches Nieren Qi zum Zeitpunkt der Zeugung hatten, auch das Kind ein solches haben wird, und zwar sein ganzes Leben lang. Auswirkungen dessen zeigen sich dann, in einer schwachen körperlichen Konstitution und auch einer geschwächten psychischen Konstellation. Denn sind die Nieren in einer beständigen Leere und. damit Dysbalance, so erleben wir in unserem Fühlen eine beständige innere Angst und Unsicherheit, so die Aussage der chinesischen Energielehre. Dies lässt sich dann zwar durch gesunde Lebensführung, Ernährung und entspannte Atmung, wie auch durch Akupunktur und gezielter Nierenstärkung ausgleichen, doch die Leere des vorgeburtlichen Nieren Qi, so meine TCM-Ausbildung,  zieht sich durch dieses Leben. Es ist sein Erbe, festgeschrieben und in Stein gemeiselt.

 

Aber  ist dies wirklich so, dass das Nieren Qi und damit die Kraft der Eltern nur ein einziges Mal auf das Kind übertragen wird? Und dass sich das Kind die elterliche Kraft nie wieder zugänglich machen kann?

 

Aus der anthroposophischen Medizin und dem Familienstellen nach Hellinger erfahren wir mehr und mehr, dass in jeder Familienstruktur dieser Welt, ein Energiestrom fließt, in welchem die Lebens-Kraft der Ahnen und Eltern auf die Kinder übergeht. Dieser Kraftstrom ist nicht einmalig zum Zeitpunkt der Zeugung aktiv, sondern er fließt immer - und er fließt immer nur, wie alle Flüsse dieser Welt, vom Berg in's Tal. Was bedeutet das?

Es bedeutet, damit dieser Kraftstrom fließen kann, müssen die Ahnen, Großeltern und Eltern immer die Großen sein, und die Kinder die Kleinen.

 

Wir beobachten diese Größenaufteilung innerhalb der Familie in allen Urvölkern.  Die Alten sind die Großen, Weisen und Führer der Gruppe. Und die Jungen sind die, welche sich führen lassen und dem Urteil und dem erheblichen Mehr an Lebenserfahrung der Alten vertrauen und folgen. Auch Konfuzius, einer der prägendsten Philosophen der chinesischen Kultur, beschrieb diese Ordnung als unbedingt notwendig im kleinsten Teil der Gesellschaft, den Familien. Und in Japan erhält sich bis heute ein ausgeprägter Ahnenkult. Die Ahnen der Familie sind hier hoch geachtete und lebendig gehaltene Mitglieder der Familie, welche Wurzeln und Kraft geben.

 

Fließt dieser Kraftstrom in der Familie und ist den Kindern gut zugänglich, dann erleben wir kraftvolle, sichere und willensstarke Individuen, in den Eltern wie auch den später erwachsenen Kindern. Diese Menschen stehen gerade und aufrecht im Leben, haben eine klare Meinung und Position mit einem kraftvollen Ja oder Nein. In diesen Menschen sehen wir dann tatsächlich den Seelenaspekt der Nieren, die Willenskraft, nach außen manifestiert.

 

Als ich chinesische Medizin lernte, wusste ich nicht, dass dies eine Frage in mir war.  "Was genau  ist dieses Zhi, die Willenskraft, der Seelenaspekt der Nieren?" ich konnte nichts damit anfangen, denn lange Zeit, waren all diese Begriffe reine Gedankenkonstrukte. Sie hatten keine erlebbare, fühlbare Realität. Erst mit der japanischen Akupunktur entstand Erleben. Und erst, als ich selbst mich wieder zur Kleinen machte und damit in den Kraftstrom meiner eigenen Familie zurücktrat, erlebte ich , wie eine lebenslange innere Angst verschwand und ich tatsächlich begann, eine neue Kraft zu fühlen. 
Und heute, wo mein Kopf diese alt gelernten Ideen plötzlich neu verknüpft, und ich auf die vielen kleinen magischen Veränderungen meines Lebens zurückschaue, kann ich erkennen, dass das, was da so unbewusst und von Innen hinzugekommen ist, tatsächlich Willenskraft genannt werden kann.

 

 

 
Herzlich

Ihre Carina Böhm