04/16 Angst vs. Willenskraft 2

Welche Faktoren unterbrechen den inneren Kraftstrom in den Familien und blockieren damit möglicherweise das Fließen des NierenQi? Und wie lassen sich diese Faktoren auflösen?


Es fließt ein Kraftstrom in allen Familien dieser Welt. Wir können ihn fühlen, jedoch nicht sehen. Und wir wissen nicht, durch was er getragen wird. Durch die Gene, die Seelenkraft oder das Energiefeld? Doch wir wissen, dass in ihm die Lebenskraft von den biologischen Eltern auf die Kinder übertragen wird, von den Großen auf die Kleinen, und das beständig.

Und es entsteht die Frage, ob dieser Kraftstrom gleich dem Ni Qi ist, welches ebenfalls von den Eltern auf die Kinder übertragen wird. Denn wenn dieser Kraftstrom beständig fließt, könnten sich Kinder vielleicht hiermit Nieren Qi wieder zugänglich machen und damit alten, angeblich angeborenen  Kraftmangel wieder auffüllen?

 

Wie aber kann man Kindern diese Kraft wieder erschließen?

 

 

Kinder brauchen, wenn sie aufwachsen, einen sicheren, geborgenen Platz, von welchem aus sie eine Welt entdecken können, die sie nicht verstehen . Diesen sicheren, geborgenen Platz, erhalten sie von den Eltern. Die Eltern geben die Wurzeln, geben Zugehörigkeit und Geborgenheit, über welche das Kind wie ein kleiner Spross, sich neugierig entfalten kann.

 

Sind Wurzelnbeständige Zugehörigkeit und stabile Geborgenheit gegeben, dann erleben Kinder Sicherheit im Raum ihrer Eltern und können die Kleinen bleiben. Jedoch gibt es in diesen 3 Elementen eine Störung, so bricht die Sicherheit und es entsteht Unsicherheit, Angst, Gefahr und Not. Hier tritt das Kind dann in einen Überlebensmodus.  Es muss, um diese Situationen überleben zu können, beginnen, diese höchst unbeständige Welt selbst zu kontrollieren, um wenigsten wieder etwas Sicherheit zu finden. Und kontrollieren kann es sie nur, indem es sich ab dann  größer macht, als es eigentlich ist, größer als all die gefährlichen Faktoren um es herum und größer als die eigenen Eltern.
Dieser Prozess tritt zu tiefst unbewusst in Gang. Das Kind kann hiermit wieder etwas Sicherheit finden, gegenüber einer unbekannten Welt, welcher es in keinster Weise gewachsen wäre. Doch indem es sich ab jetzt größer macht, verlässt es zeitgleich die Mündung des Kraftstromes unterhalb seiner Eltern. Es steht ab dann außerhalb  und über-lebt weiter - ohne diese Kraft.

 

Möchte man dies wieder umdrehen, so gibt es hierfür 2 Herangehensweisen. Der Unterschied zwischen diesen beiden ist das Alter des Kindes. Ist es noch klein, können die Eltern den Unterschied herbeiführen. Ist es schon groß, darf das Kind diesen Unterschied selbst entscheiden.

 

Die Wurzeln eines kleinen Kindes (wie auch eines großen) sind die biologischen Eltern!!

Sie können abgeschnitten werden, wenn das Kind eines oder beide biologischen Elternteile nicht kennt - und diese Eltern herabgesetzt oder sogar zum Tabuthema der Familie erklärt werden. Es gibt hier die verschiedensten Gründe und Geschichten, warum biologische Eltern tabu gesprochen werden. Doch man darf verstehen, dass Kinder sich immer nach diesem Platz sehnen, zwischen ihrer echten Mama und ihrem echten Papa. Dieser Platz kann wieder geschaffen werden, alleine  dadurch , dass in der Adoptivfamilie mit Respekt und Dankbarkeit von den biologischen Eltern gesprochen wird. Denn nur durch sie gibt es dieses Kind, und kann es das Kind der Adoptiveltern sein.

 

 

Ein anderes Wort für Zugehörigkeit ist Liebe. Und ein anderes Wort für beständige Zugehörigkeit ist beständige Liebe. Fühlt das Kind sich geliebt, so weiß es, es ist nah bei Mama und Papa und hat dort einen sicheren Platz. Doch fühlt das Kind sich mal geliebt und mal, wenn es gerade nicht dem Ideal der Eltern entspricht, nicht geliebt, so fühlt es sich mal als Teil der Familie und mal als Ausgestoßener aus der Familiengemeinschaft. Der Ausdruck (gesprochen oder gelebt) " Ich bin gerade böse auf dich und hab dich nicht mehr lieb" fühlt sich für ein kleines Kind an, wie "ich will dich nicht mehr" und "Du gehörst nicht mehr dazu.". Ich weiß, wir hatten einmal gedacht, wir könnten mittels Liebesentzug Kinder erziehen. Doch tatsächlich haben wir sie damit nur versucht zu  erpressen und in den Modus " alleine überleben" gezwungen. Das heißt nicht, dass Kinder keine Erziehung brauchen. Aber es heißt, dass wir andere Möglichkeiten benutzen dürfen, als Liebesentzug oder auch bedingte Liebe.

 

 

Was bedeutet nun stabile  Geborgenheit? Geborgenheit findet das Kind,wenn es tatsächlich das Kleine sein darf, wenn es sich reinkuscheln darf, wenn es schwach sein darf und sich bei den Eltern einfach nur fallen lassen darf und auftanken kann. Wenn es jedoch mithelfen MUSS, weil die Eltern ohne es einfach nicht klar kommen,  wenn die Eltern die Hilfe des Kindes brauchen, damit die anderen Geschwister noch versorgt werden oder damit der Haushalt einigermaßen bewältigt werden kann, dann muss das Kind sich zwangsläufig größer machen, als es ist. Auf der einen Seite fühlt es sich dann zwar  hilfreich und fähig, doch auf der anderen Seite, kann es nun nicht mehr das Kleine sein, dem eine starke Hand gereicht wird. Es kann nicht mehr schwach sein, sich nicht mehr fallen lassen und einfach Kind sein.

Ich weiß, es gibt vielfältige, schwierige  Situationen, welche einen als Mutter oder auch einfach nur Erwachsenen überfordern können. Jeder haushaltet mit der ihm gegeben Kraft und ist dies mehr, so können wir mehr bewältigen. Ist dies weniger,  so liegt es in unserer Verantwortung, geeignete Hilfe zu suchen, in anderen Erwachsenen oder der Familie, bevor das Kind helfend in die Presche springt.

Eltern sein ist eine Herausforderung der ganz besonderen Art, und es ist vielleicht eine der großartigen Möglichkeiten der heutigen Zeit, dass wir mehr und mehr erfahren, was Kinder wirklich brauchen, um zu kraftvollen, willensstarken Individuen zu werden und wie wir ihnen dies bestmöglich geben können.

 

                                                              


Herzlichst ihre Carina Böhm