Mahlzeit 1

Was bedeutet Essen in China? Was bewirkt Essen im Körper und wieviel braucht er davon, um gut zu funktionieren?



Es gibt wohl keine Kultur, in welcher Essen so wichtig ist, wie in der Chinesischen. Das chinesische Guten Tag ist, übersetzt  man es, ein "Du gut gegessen?" Als ich chinesisch lernte , fand ich das immer sehr lustig. Als ich dann in China war, verstand ich es etwas besser. In einem Land, in welchem es unzählige Hungersnöte gegeben hat, wird sprichwörtlich alles gegessen, und dass sehr lecker.

Essen ist hier Lebensmittelpunkt, es ist das Leben selbst. Auch die alten chinesischen Meister verstanden das sehr gut und gingen noch darüber hinaus. 

NahrungsQi ist neben dem LungenQi die wichtigste Energie in unserem Körper. Hieraus gewinnt der Körper alle Energien, welche er zum Überleben braucht - und zum Leben. Denn wird ein Mensch geboren, so ist es nicht die Atmung, welche die Zirkulation in den Meridianen startet. Nein, es ist die erste Nahrungsaufnahme, das erste Saugen des Kindes an der Brust der Mutter. Die alten Meister sahen, dass mit der ersten Milch, welche das Kind schluckt, das Qi in den Meridianen zu fließen begann.
Mein Lehrer David Euler sagt deshalb immer, wenn eine Patient fragt, was er zur Behandlung mitbringen soll, "Essen Sie etwas!". Denn tatsächlich, wenn der Patient vor der Behandlung stundenlang nicht gegessen hat, wie soll dann was bewegt werden:-)? Hier wird Akupunktur dann zäh und schwierig. Schnellste Abhilfe hierrzu in der Praxis - ein Müsliriegel:-). Der Unterschied ist frappierend. 

MagenQi, die erste Energie, welche aus der Nahrung entsteht, ist in der TCM-Behandlung in Japan einer der wichtigen Faktoren, womit der Körper seine eigenen Fähigkeiten zur Reorganisierung und Balance erhält. Behandelt man MagenQi in der Praxis, so hat das oft einen deutlichen Effekt auf Schmerzreflexe, Triggerpunkte und Bewegungseinschränkungen. Auch ich gebe inzwischen meinen Patienten die Aufgabe, vor der Behandlung noch etwas zu essen.

Ich staune heute oft, dass dies tatsächlich nötig ist. Wo noch vor kurzer Zeit zu viel gegessen wurde, wird nun nicht selten zu wenig gegessen. Denn vor lauter Arbeit, Stress, Terminen gepaart mit  Dickwerdeangst, kommt man nicht mehr zum essen.

Ist der Körper in seiner Kraft, so kann er ein paar Tage gut damit umgehen. Doch ist er an einer oder mehreren Stellen in Dysbalance oder wird dies ein anhaltender Zustand, dann darf wieder mehr gegessen werden.

Hier helfen kleine Snacks, Obst, Müsliriegel, Trockenfrüchte oder eine kleine extra Zwischenmahlzeit.

Essen schenkt uns Energie, erhält unserer Fähigkeiten zur Selbstheilung und fördert unsere Möglichkeiten, auch in Stresszeiten entspannt zu agieren. Daher, sollten Sie sich größeren Herausforderungen gegenüber sehen, körperlich oder in der Arbeit, schenken Sie ihrem Körper die nötige Energie und lassen Sie es sich schmecken.



Herzlichst

Ihre Carina Böhm