Angekommen in Südamerika





Zwei Tage vor den Kindern treten wir in Lima aus dem Flughafen. Es hat gefühlte 0 Grad Außentemperatur😫 Noch in tropisch dünnem Schlapperlook bricht der südamerikanische Winter in unsere Comfortzone. 

Aber nicht schlimm, nicht weit bis zum Hostel, es ist 3:00 nachts und ich knappere noch an meinem kleinen Fieberschub während unseres  zwei Tages Flugs. Also suchen wir das günstigste Taxi und wickeln uns in unsere Jacken. 


Noch ist uns nicht klar, dass hier tatsächlich Winter ist und die Peruaner in der einzigen kalten Jahreszeit keine Heizungen haben.


Die nächsten zwei Tage reift so langsam eine böse Vorahnung. Wir sind einen Monat zu früh in Peru. (Doch was tut man nicht alles für die Kinder, welche unbedingt in Südamerika mit uns reisen wollten.) Es stellt sich heraus, dass auch warme Duschen hier Luxus sind, ab und zu auch Klobrillen und halbwegs dichte Fenster. Lima ist berühmt berüchtigt für seine permanente Wolkendecke, mit bleibender Kälte auch am Tag.  Wegen der drei anderen warmen Jahreszeiten wird hier auch noch luftig gebaut und wir kriegen es eigentlich nur unter den zentnerschweren dickwollenen Bettdecken in dreifacher Ausfertigung ( die Peruaner wissen anscheinend auch, dass es kalt ist😂) vernünftig warm. 



Zwei Tage später haben wir das Hostel gewechselt. Klobrillen und warme Duschen für die Kids und uns😅. Ben und Olli erreichen Lima.  Ab jetzt reisen wir als Patchworkfamilie ..... und als zankender, lachender, überall  Liegestütz machender ( 100 Liegestütze pro Tag- Commitment-Chellenge für die Jungs ), viel tiefschürfend palabernder und eigensinniger Haufen aus 11, 22, 42 und 53 Jahren.




Peru ist ein Land der echten Kontraste. Im Westen das breite Andenbergmassiv mit schneebedeckten 6000nder Gipfeln, in welchem wir uns bis auf 4800 Meter hochwandern oder besser hochkeuchen ( es ist unglaublich, wie der Körper sich verändert, wenn die Luft dünn wird ). Im Osten das Tiefland mit tiefgrünem Dschungel und dem Amazonasgebiet. (Obwohl ursprünglich eingeplant, umgehen wir den Dschungel. Die Gelbfiebergefahr für die ungeimoften Jungs ist uns  dann doch zu groß. Da wir alle vier kein entspanntes Gefühl zu Millionen von Stechmücken haben, planen wir um, streichen den Dschungel und legen den Tititaca See stattdessen auf unseren  Weg😊. Und  bleiben damit weiter auf luftiger Höhe von rund 3000 Metern). 


Außerhalb von Lima ähnelt das Wetter unserem goldenen Herbst in Deutschland. Am Anfang bin ich verliebt in diese herrlich blauhimmlichen Tage, in welchen man sich bis auf kurze Hosen und T-Shirt entblättern kann mit kalt - muckeligen  Nächten. Die Sonne hat hier oben jedoch so ordentlich Bums, das tagsüber Sommer herrscht, doch sobald die Sonne weg ist ( es reicht eine Wolke ) das Land sich an den Winter erinnert und die dicke Wolljacke einfordert. Nach gefühlten tausendmal an und wieder ausziehen, fetten Rucksäcken, in welchen ständig alle warmen Sachen griffbereit mitreisen, und dem beständigen Sonnencreme-Sonnenhut-Mütze- Tanz........, bin ich tatsächlich erleichtert, wieder im bedeckten Lima zu sein. So schön, wenn man sich mal  auf eine stabile Wolkendecke verlassen kann😂😂😂.


Im Süden treffen wir dann in der Touristenhochburg von Peru ein. Schon die Schlange am Checkin von Lima nach  Cusco hat beeindruckende Ausmaße. Die ganze Welt will anscheinend zum Matchu Picchu und Tititaca See. Zugegeben, wir auch🤣


Also an Touripreise gewöhnen, die Kids aus hunderten Markenläden herausklauben und wie auf einer Schnitzeljagd doch noch ein paar  Strassenessensstände finden. Trotzdem hat es was, mal wieder etwas westlicher zu flanieren und zu wohnen.  Jedoch weiter ohne Heizungen, die Peruaner sind hier stoisch😅.


Der Preis einer Weltreise ist wohl am vordergründigsten der, dass man ständig das Budget im Auge behalten darf. Wir sind hier keine Urlauber, sondern Guerillia- Backpacker. 

Also fahren wir nicht mit dem Zug nach Matchu Picchu, sondern quetschen uns 8 Stunden in einen Bus, um dann noch laufen 21/2 Stunden bis in die Nacht Bahngleise entlang zu laufen. Grünsaftig aufsteigende Berge um uns und regenschwangere Luft begleiten uns in die Dämmerung ( eine wahre Wohltat nach 3 Wochen sonnengetrocknetem Hochland ). Aqua Caliente ( oder gefühlt Bruchtal in Mittelerde😂😂) ) begrüßt uns dann mit goldenem Schimmer  aus dem finsteren Tal vor uns. Unser ganz eigener, spannungsgeladener Inka-Trail, einen Tag bevor wir zum Matchu Picchu hochsteigen😊.



Wir haben hier soviel Inka,- und Vor-Inkaruinen gesehen, dass ich noch immer saumäßig beeindruckt bin von der Bauleistung dieser frühen Kulturen. ( Und ein wenig sauer auf die Spanier😅, die soviel davon eingestampft haben. ) Jedoch hat ganz Peru wie selbstverständlich die spanische Lebensweise verinnerlicht. Überall gibt es weiße Brötchen zu kaufen, eine Art Grundnahrungsmittel hier, und Groß wie Klein folgt dem christlichen Glauben. 


Und ich freue mich jedesmal, wenn mein holpriges Anfängerspanisch, einfach lieb angenommen und mit einem breiten Lächeln und offenem Herzen belohnt wird. 😄




P.S, 


Alle Erwachsenen, die mit Kindern quer durch ein Land reisen, haben während dieser 4 Wochen meine volle Hochachtung erworben. Gut, dass wir schon Übung zu zweit hatten, doch dies mit 2 Kindern ( auch wenn das eine 22 Jahre alt ist!!!!) erfordert noch mal ein ganz anderes Kaliber von Organisation und Flexibilität. Besonders wenn man nicht mal eben zu jeder Mahlzeit in ein Restaurant einkehren kann und keinen Kühlschrank dabei hat😂.  


Wilcacocha Lagune in Huaraz auf 3500 m  -  gut zum Anpassen an die Höhe😊. Wo ist das Lama?😉
Wilcacocha Lagune in Huaraz auf 3500 m - gut zum Anpassen an die Höhe😊. Wo ist das Lama?😉
Vorm 4800m Treck zur Lagune 69....
Vorm 4800m Treck zur Lagune 69....
....und danach, angekommen😅
....und danach, angekommen😅
Kuelap heute - das zweite Matchu Picchu von Peru, erbaut von eine Vor-Inkakultur, höher, größer und älter😂
Kuelap heute - das zweite Matchu Picchu von Peru, erbaut von eine Vor-Inkakultur, höher, größer und älter😂
Kuelap damals🙄
Kuelap damals🙄
...und wieder heute😂
...und wieder heute😂
Das Uros-Volk auf dem Tititaca See - es spricht noch heute als Hauptsprache Ketchua ( die alte Inkasprache ) und bewahrt seine Bräuche und Leben auf den schwimmenden Schilfinseln😊
Das Uros-Volk auf dem Tititaca See - es spricht noch heute als Hauptsprache Ketchua ( die alte Inkasprache ) und bewahrt seine Bräuche und Leben auf den schwimmenden Schilfinseln😊
Der Tititaca von seiner schönsten und kältesten Seite. Mit Übernachtung bei den Locals auf Amantani😃
Der Tititaca von seiner schönsten und kältesten Seite. Mit Übernachtung bei den Locals auf Amantani😃
Auf der dritten Insel Taquilla......
Auf der dritten Insel Taquilla......
....wo die Männer stricken und die Frauen spinnen. Jede Mütze hat ihre eigene Bedeutung wie auch die Quasten am Umhang der Frauen - Tradition ins Heute bewahrt😍
....wo die Männer stricken und die Frauen spinnen. Jede Mütze hat ihre eigene Bedeutung wie auch die Quasten am Umhang der Frauen - Tradition ins Heute bewahrt😍
Matchu Picchu mit unserer Guide Yeanette
Matchu Picchu mit unserer Guide Yeanette
....und Baby Lama 4 Wochen alt😅
....und Baby Lama 4 Wochen alt😅
Bruchtal ähhhhh,  wollt sagen Aqua Caliente😂 unterhalb von Matchu Picchu, gut teuer, touistisch aber hinreißend gemütlich  mit rauschendem Fluß tief in den grünen Bergen😍
Bruchtal ähhhhh, wollt sagen Aqua Caliente😂 unterhalb von Matchu Picchu, gut teuer, touistisch aber hinreißend gemütlich mit rauschendem Fluß tief in den grünen Bergen😍
Aus den Bergen ( die Cordillera Blanca )....
Aus den Bergen ( die Cordillera Blanca )....
.....mit tausend lieben Grüßen auch von den Locals........
.....mit tausend lieben Grüßen auch von den Locals........

....eure  Carina Böhm🙋😊