Die letzten Wochen argentinisch und brasilianisch



In nicht mal mehr einer Woche geht es nun wirklich zurück nach Deutschland. Schaue ich zurück, so kommt nun tatsächlich von meinem Verstand die unglaubwürdige Anfrage „Waren wir jetzt echt ein Jahr unterwegs.“ Erst wenn ich dann unsere unzähligen Erinnerungen aufblitzen;lassen, gibt er klein bei. Ansonsten meint er nun besserwisserisch ( er wollte auch zu Anfang nicht verstehen, dass es ein Jahr sein wird - für ihn starteten wir in eine Reise ohne Wiederkehr ), dass halt jetzt einfach ein Urlaub zu Ende geht, wie immer😂



In diesen letzten Wochen sind wir mit 7 Meilenstiefeln von Süden nach Norden gestiftet. 



Erster Stopp, El Calafate und der Perito Moreno Gletscher. Als einer der wenigen Gletscher, der Welt, der immer noch wächst, liegt er gemächlich in der patagonischen Sommersonne und kalbt tatsächlich fast stündlich vor sich hin. Ich habe noch nie einen Gletscher schnattern hören, die neuseeländischen hielten sich da schüchtern  bedeckt. Doch Perito Moreno knallt, kracht und rumort tief im Eis, bis das nächste Stück sich lautlos löst und dann donnernd in den Gletschersee stürzt. Wir sitzen den ganzen Tag einfach nur auf den weitläufigen Tribünen rings um, trinken Wein und hören den Urgewalten den Eises zu


Patagonien raubt uns schlicht den Atem, nicht nur körperlich😉.Doch es ist nicht Chile mit Torres del Paine, wo ich mich am wohlsten fühlte ( der ganze Park dort ist “muy caro = teuer und riecht einfach zu sehr nach Touri-Abzocke ). Es ist stattdessen El Chalten, ein kleines Dörfchen am Fuße des Fitz Roy auf der argentinischen Seite. Die Ranger erklären supernett den Park, geben uns alles nochmal in einer coolen Faltkarte mit, die Wanderwege  sind hinreisend und süß ausgeschildert, man kann vom Hostel direkt auf die Wanderwege und der Park kostet tatsächlich null Eintritt, auch das Zelten ist an den Zeltplätzen umsonst ( nach Torres do Paine einfach unglaublich ). Leider bin ich hier noch etwas angeschlagen von meinem dritten Fieber, weswegen wir die schweren Wanderwege bleiben lassen. Doch als wir abreisen, schau ich zurück und bin von ganzem Herzen bereit, nochmal wiederzukommen😍.


Über Buenos Aires ( die Stadt lehrt mich viel über Dummheit und Unachtsamkeit, die auch mal sein dürfen😜) erreichen wir dann endlich mal wieder Dschungelland - die Iguazu Wasserfälle. Wir haben ein Menge Wasserfälle auf dieser Reise erlebt ( die Welt ist voll davon🤣) doch das hier sprengt tosend alle Vorstellungen. 275 Wasserfälle stürzen hier über die Felsen in die Tiefe. Soweit das Auge schaut nur schäumend fallendes Wasser. Der Verstand steht still, verneigt sich demütisch vor der Natur und bestaunt magnetisiert ein unfassbares Schauspiel🤩.


Lustig, dieses Naturwunder von zwei Ländern aus bejubeln zu können, einmal argentinisch spanisch und einmal auf brasilianisch portugiesisch. Sie werden damit zugleich unser Grenzübertritt nach Brasilien. 


Vor vielen Jahren hatte ich in einer Zeitschrift von einer der innovativsten Städte der Welt gelesen. Diese Stadt stampfte in den 70iger Jahren an einem Wochenende eine hart umkämpfte und mit weltweit ersten Fußgängerzonen aus dem Boden. Sie schaffte es, als eine der wenigen Millionenstädte der Erde, das Verkehrsproblem und damit auch die Luftverschmutzung durch eine umgedachte Stadtplanung und innovatives öffentliches Busnetz zu lösen. Und sie ermöglicht es den Armen der Stadt, nicht nur über Müllsammeln Wertmarken und Bustickets zu erwerben, sondern auch den Fewala - Bewohnern in den Randbezirken den Umzug in eine Sozialwohnung. 


Curitiba wird unserer erste brasilianische Stadt, in welcher wir ganze zwei Wochen bleiben. Denn nicht nur, dass ich von dieser Stadt begeistert bin und wir sie über die coolen Touristenbusse erkunden wie auch mit der Serra Verde Zugexpress in die dschungelüberwucherten Berge fahren, sondern wir machen hier auch unser zweites Vipassana Meditationsretreat. 


Nocheinmal 10 Tage lang 8 - 9 Stunden Meditation am Tag. Beobachte ich den eigenen Verstand ein wenig, kommt mir irgendwann zwangsläufig die Erkenntnis, was für eine unglaubliche Blindpace er doch ist. Er kann zwar super Daten auswendig lernen und sie später wieder nachplabbern sowie Termine und ähnliches Planen,  doch über das Leben in diesem Moment kann er mir tatsächlich nichts erzählen. Ständig stellt er Vermutungen über die Zukunft an, indem er sich einzig und allein auf die Vergangenheit beruft, diese  neu kombiniert und dann in einer Gedankenflut in den jetzigen Augenblick wirft. Und dabei tatsächlich immer daneben liegt und versprochenes Glück nur vorübergehend hält. Da ich dies schon mein ganzes Leben lang kenne, hielt ich es immer normal, sich in irgendwelchen Phantasien oder Alpträumen zu verlieren, dann die Gegenwart völlig anders zu erleben und nebenbei einfach zu übersehen, dass ich mir  völlig umsonst vorher den Kopf zerbrochen habe. Doch in der Meditation bekommt man davon Kopfschmerzen 🤣. Denn eines geht bei diesem wahnwitzigen Spiel immer verloren - der jetzige Augenblick. Der einzigen Moment, in welchem mein Leben stattfindet.


Doch in diesen Tagen tauchen  sie erstmals auf, kurze Momente, in welchen niemand in meinem Kopf plabbert. Und sich eine dunkle namenlose  Stille im Hintergrund zeigt, in deren friedlichem Gewahrsein sich Gedanken tatsächlich einfach auflösen, wie Nebel in der Morgensonne.☺️. Und ich nehme sie mit, weiter durch dieses bunt grüne Land.




Brasilien macht es mir am Anfang etwas schwer. Denn in den nicht Touriorten wird tatsächlich kaum spanisch oder englisch gesprochen. Und will man hier eine Online Zahlung vornehmen, zum Beispiel für ein Busticket, braucht man eine spezielle brasilianische Steuernummer ( die CPF Nummer ), die jedoch kein Touri hat😣. (Es kostete mich eine ganzen Abend lang, diese Nummer für unser einzigstes Online-Busticket zu umgehen.)  Doch schenkt man dem Land ein wenig Zeit und ist mal länger am selben Ort, ( zwei Wochen Curritiba und 2 Wochen Ilha Grande) so entdecken wir liebenswert, offene Menschen, die in einer alle Hautfarben umfassenden Gemeinschaft hingebungsvoll zusammen leben, es mit dem genauen Zahlbetrag an Kassen nicht so ernst nehmen, ihre Häuser knall bunt streichen und in vollen Zügen ihre von tausend Stränden gesäumte Küste genießen. 

Und so empfangen uns dschungelgrüne Berge glitzern aus türkisblauem Wasser heraus, zum Abschuss auf der Ilha Grande. Eine riesige Insel an der tropischen Küste von Brasilien. Hier gibt es keine Straßen und keine tuckernden Mopeds,  nur Sandwege, badewannenwarme Traumstrände, Boote und spärlich bekleidete Touristen. Ideal um von einem Jahr Reisen auszuspannen, zu Schnorcheln ( dass wir nochmal Schildköten sehen würden😍 ) und in einen Meditationsrythmus zu finden, der auch alltagstauglich ist😜.


Mit Marcel und Candy, zwei waschechten Sao Paulanern, die mit uns die Ilha Grande genießen, werden wir nun noch ein paar Tage Sao Paulo unsicher machen und dann unser Flugzeug nach Hause besteigen.



Zum Zeitpunkt weiß ich nicht, wer ich nach diesem Jahr zurück in Deutschland sein werde. Wir haben uns Fernsehen weitestgehend abgewöhnt, Meditation und Yoga sind dazugekommen und Leben ist um so vieles größer geworden.


Aber genau das ist das Schöne am Leben, das ewige „im Fluß sein“ mit einer Menge Überraschungseffekte🤪.



P.S. 


Ein Bitte an alle alten Patienten. Mit meinem Handy gingen auch ein paar Telefonnummern in Buenos Aires verloren. Und obwohl ich die Nummern in euren Akten stehen habe, kann ich nicht die Hand ins Feuer legen für alle Telefonnummern, die sich in 2017 und 2018 geändert haben. Deswegen, sollte ich euch bis allerspätestens Mitte Februar noch nicht kontaktiert haben, gebt mir bitte  eure neuen Nummer nochmal nochmal durch. Ich bin dann unter meiner alten Handynummer und What‘s App wieder erreichbar.



Mit ganz lieben Dank und Gruß



Carina Böhm😘


In einer untypischen Speedwanderung der Böhmses erstürmen wir den Torres del Paine. Die scharfen Winde klauen mir hier meine Wasserschutzhüllen vom Rucksack. Die fliegt da vermutlich immer noch rum,  wie ein oranger Ballon im Wind🤣
Flamingos am Lago del Argentino in El Calafate, gegen den scharfen Wind haben wir unsere wasserdichten Hosen angezogene, helfen ✌️. Patagonien ist berüchtigt für seine Sturmwinde und unberechenbaren Wetterkabriolen.
Glänzend blau und rumorend liegt er in der Sonne und träumt vom Wachsen 😍
Der Fitz Roy strahlt ständig in das gemütliche Tal von El Chalten, cool, wenn man ihn ohne Wolken erwischt😊
Ich bin hingerissen von den wildgrünen Wäldern und windigen Hochwegen
Bild ranzoomen, Wasserfälle von rechts und hinten....auch von links😨. Ein unglaubliches Mäander des Rio Iguazu🙃
Die Wasserfälle von links hinten ( siehe oben😉 ) - genannt El Diablo
Ohne Worte 🤫
Doppelt so lange Busse und .......
......futuristische Bushaltestellen im Stile einer UBahn für schnelles Ein- und Aussteigen ( Curritiba sparte sich eine 100 mal größere UBahn Investition, stellte das Bussystem um und stiftete das Geld lieber in 40000 Sozialwohnungen
...und dann auf innerer Entdeckungstour in Curritiba🖖😇
Gemütlicher Lifestyle auf der Ilha Grande☺️
Tatsächlich Traumstrände mit feinem, kristallinem Sand bis weit ins Meer ( besonders Lopes Mendes😍 ), perfekt zum Wellenreiten, chillen und Surfer beobachten, und an manchen Plätzen auch hinreisend zum Schnorcheln ( Praia de Araçatiba )
Angekommen in São Paulo ☺️
Dies ist noch nicht mein letzter Post. Wie könnte ich nach 1 Jahr nun einfach abschließen🔐, ohne. ........................
Lasst euch einfach überraschen✌️😁